Grußwort des Schirmherrn Wilhelm von Boddien

Als ich die Anfrage erhielt, ob ich die Schirmherrschaft über den KUNSTPREIS DEUTSCHLAND 2022 mit dem Motto „Art powers future“ übernehmen würde, war ich ein wenig überrascht, obwohl ich im Laufe der Jahrzehnte zur Bildenden Kunst und zur Kunstdisziplin Architektur eine sehr große Nähe entwickeln konnte.

Da ich als Initiator des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses jahrelang einen perfekt organisierten, mächtigen Widerstand gerade aus der Architekten- und der Kunstgeschichts-Funktionärslobby überwinden musste, sehe ich im o.g. Motto dieses Kunstpreises eine große Chance institutionelle Verkrustungen und Rechthaberei aufzubrechen und damit vielleicht sogar eine erste Weichenstellung für eine neue Richtung der Bildenden Kunst sowie der Kunstdisziplin Architektur anzuregen.

Das Schloss wiederaufzubauen, hieß doch zuerst, die unglaubliche Macht der Moderne und ihrer Institutionen zu überwinden, die sich mit ihrer sehr erfolgreichen Lobbyarbeit einen entscheidenden Einfluss auf die Baugeschichte der Nachkriegszeit gesichert hat. Sie beherrscht die Hochschulen, Universitäten und Bauinstitutionen und nimmt bei der, meist in Absprache mit den staatlichen Ämtern, klug verteilten Besetzung der Preisgerichte von Architekturwettbewerben in dominanter Weise Einfluss auf unsere Stadtgestaltung.

Die Moderne, gerade in unseren durch den Bombenkrieg und die Abrisswut der Nachkriegszeit zerstörten Städten, hat diese im Wiederaufbau so zum Teil gesichtslos gemacht. Ohne die wenigen erhaltenen historischen Bauten und das umgebende Landschaftsbild sähen sie fast alle gleich aus, weil sie sich seit dem Kriegsende eher einer anonymen Form aus dem Diktat der überall gleichen Preis-Kosten-Nutzen-Rechnung überantwortet haben. Dies führte aber auch zu immer mehr bürgerschaftlichem Engagement für die Kunstdisziplin Architektur, die ein Beispiel für die Zukunft der Bildenden Kunst in der Überwindung von Hürden sein kann. „Art powers future“.

So sehe ich die meiner Wahrnehmung nach verlorene Individualität vieler unserer Bürger, Unternehmen und des Öffentlichen Dienstes bei diesem Kunstwettbewerb als Herausforderung für die Fach-Jury bei der Bestimmung der zu vergebenden Preise sich ganz besonders mit den Begriffen Power und Future auseinanderzusetzen.

Den KUNSTPREIS DEUTSCHLAND 2022 begreife ich als große Chance, hier einen Richtungswechsel auch in den Institutionen zu beginnen. Das Motto dieses Kunstpreises (Art Powers Future) fordert Kunstschaffende dazu, visuellen Botschaften zu erzeugen, die dazu geeignet sind den Protagonisten in Wirtschaft, Politik und Verwaltung Impulse zu geben.

Wilhelm von Boddien
Geschäftsführer
Förderverein Berliner Schloss e.V.

Wilhelm von Boddien

Unabhängige Experten-Jury

Die Arbeit der Jury ist eine wichtige „Qualitäts-Stellschraube“ bei der Ausrichtung eines Kunstpreises. Expertenjurys werden einberufen, um Förderungswürdiges herauszufiltern. Dabei stellt sich auch die Frage, ob aus oftmals mit Steuergeldern finanzierte Jurymitglieder bei der Bewertung der Kunst so frei sind wie sie gerne sein würden. So wird es kaum im Sinne mancher Kulturpolitiker sein, wenn z.B. in einem Rathaus Kunst ausgestellt oder gar prämiert wird, die nicht „politisch korrekt“ ist.

Unabhängige Personen mit Sachverstand nominieren aus der Masse der eingereichten Werke diejenigen, die ihrer Ansicht nach künstlerisch adäquat sind. Sie können falsch liegen, oder doch nicht so unabhängig sein. Oder keinen Sachverstand haben. Überall muss juriert werden, jedoch könnten die Entscheider nicht ausreichend qualifiziert sein oder einen zu engen Sichtungshorizont haben oder es an Unabhängigkeit fehlen lassen. Und welcher Kunst-Experte wäre frei von persönlichen Vorlieben?

Auch dass sich im Bemühen um politische Korrektheit zunehmend kunstfremde Parameter in die Beurteilung künstlerischer Arbeiten einschleichen, mag angesichts immer stärker politischer Inhalte in der Kunst sogar geboten sein. Wo die Ästhetik nicht länger die wichtigste künstlerische Botschaft ist, muss das ästhetische Urteil in den Hintergrund treten. Und mit ihm die nach ästhetischen Kriterien wertende Jury. Und dann?

Die drei Preisträger des Kunstpreises Deutschland in den Disziplinen Malerei, Skulptur und Fotografie/Digital-Art werden von einer fünfköpfigen Experten-Jury bestimmt. Die eingereichten Werke werden anonymisiert, so „Mauscheleien“ keine Chance haben. Die Anforderung an die Experten-Jury politisch korrekt zu bewerten ist nicht gegeben, da der Kunstpreis Deutschland nicht mit Steuergeldern finanziert wird. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass bei der Auslobung dieses Kunstpreises auf Zuschüsse der „öffentlichen Hand“ verzichtet wird – und der Kunst wenig zuträgliche Auswüchse bzw. Vorgaben (u.a. lokale Bevorzugung, „political correctness“) bei der künstlerischen Bewertung der eingereichten Werke ausgeschlossen werden können.

Neben den von der unabhängigen Experten-Jury bestimmten Nominierungen und Kunstpreisen in den Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Fotografie/Digital-Art wird ein „Publikumspreis“ vergeben, der von den Besuchern der Kunstpreis-Ausstellung (nominierte Werke) gewählt wird.

Der unabhängigen Experten-Jury gehörten beim KUNSTPREIS DEUTSCHLAND 2021 folgende Personen an: Frauke Engel (Kunsthistorikerin, Hannover), Siva Fröhlich (Künstlerin, Hamburg), Thorsten Heinze (Galerist, Berlin), Prof. Dr. Bernd Lindner (u.a. Kulturhistoriker, Kurator, Künstler, Leipzig), Dr. Holger Grimm (Kunsthistoriker, Hannover). Die Namen der Jurymitglieder für den KUNSTPREIS DEUTSCHLAND 2022 werden nach der finalen Jury-Sitzung bekanntgegeben.