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Preisträger-Werke
Kunstpreisträger-Werke 2025/26
Malerei, Bildhauerei, Fotografie/Digital-Art, Publikumspreis.
Gefesselte Europa, Michael Gerstl, Obernzell
Statement der Jury zum Werk: Michael Gerstl hat sich mit seiner Malerei dem Surrealismus verschrieben, dem er sich mit einer altmeisterlichen Technik widmet, die von Dalí und Magritte ebenso geprägt ist wie von Rafael, Vermeer und Da Vinci. Dabei entsteht kein augentäuschender Fotorealismus – der bewusste malerische Duktus steht im Vordergrund und verweist beim Betrachten in die Welt traumhafter Chiffren. Die „Gefesselte Europa“ verbindet das Phantastische mit dem aktuellen Geschehen der Corona-Zeit in einer vielschichtigen Darstellung, die uns zum Entdecken, Erinnern und Hinterfragen auffordert. Auf alle Details einzugehen ist an dieser Stelle nicht möglich – hier die Kurzfassung: Eine vermutlich nackte weibliche Figur mit gefesselten Händen steht auf einem Totenschädel, auf dem eine Darstellung des Kontinents mit einem Corona-Virus verschmilzt. Mit einer medizinischen Maske, die den Körper weitgehend verdeckt, ist sie an Rauchschwaden gefesselt, die aus Bränden aufsteigen, die in einer wüstenartigen Berglandschaft wüten. Zahlreiche Erinnerungen werden wach – Impfpflicht, geschlossene Geschäfte, Klopapier als Mangelware. … Innerhalb eines klug komponierten Gesamtbildes werden wir eingeladen, die einzelnen Symbole zu entdecken und zu dechiffrieren – ein kraftvoller Beitrag zu einer schwierigen, unser aller Existenz in Frage stellenden Zeit.
Die Überführung des heiligen Hauses, Wolfgang Hiltscher, Göttingen
Statement der Jury zum Werk: Diese Arbeit überzeugt mit ihrer kompakten Gestaltung und formalen, geradezu archaischen Schlichtheit – und doch steckt sie voller Details, die zum Entdecken einladen. Was wir sehen ist ein kleines Boot, dessen Größe fast die ganze untere Hälfte des Objekts einnimmt. Über den Bootskörper ist eine Konstruktion aus Stäben gelegt, die wiederum von einem waagerecht angebrachten Gitter abgedeckt wird. Auf diesem Gitter stehen eine kopflose Engelsfigur und ein kleines Häuschen; ein Türmchen auf dem Dach verweist auf sakralen Kontext. Flucht, Suche nach Schutz, Geborgenheit, Hoffnung auf ein glückliches Ankommen lassen sich hier assoziieren. Und genau das ist auch tatsächlich das Thema – allerdings in Form einer wohl weitgehend unbekannten Legende um das Haus der Maria. Demnach ist dieses Haus 1291, als das Heilige Land islamisch wurde, aus Nazareth geflohen und wurde, von Engeln fortgetragen, im Gebiet des heutigen Kroatien abgesetzt. Es folgten noch mehrere Ortswechsel, bis das Haus schließlich in Loreto zum Wallfahrtsziel wurde. Wolfgang Hiltschers Skulptur erweist sich als kraftvolle Darstellung, die über ihren ursprünglichen Kontext der christlichen Legende hinausweist und zum universellen Symbol für Aufbruch, glückliches Unterwegs-Sein und die Ankunft in einem besseren Dasein wird.
Masc fatale, Kari A. Kalthoff, Hamburg
Statement der Jury zum Werk: Energie pur verströmt „Masc Fatale“ von Kari A. Kalthoff aus der Kategorie Digital Art. Kraftvoll, farbintensiv, voller Energie und in höchstem Maße selbstbewusst – diese Arbeit besticht mit ihrem aktivierenden „Wow-Effekt“. Und doch: So sehr „Masc Fatale“ zunächst extrovertiert erscheint, so sehr erleben wir zugleich einen Eindruck von Intimität, von Zurückgezogenheit ins eigene Ich. Wir sehen in zurückgenommener Detailgenauigkeit eine Person, die auf einem Podest sitzt und mit den Ellenbogen auf einer erhöhten Stufe lehnt. Podest und Stufe sind in leuchtendem Gelb dargestellt; Räumlichkeit entsteht durch eine diffus verschwimmende Schattierung. Klare Konturen modellieren hingegen die Faltenwürfe der Kleidung, dargestellt in einem leuchtenden hellen Violett und tiefem Schwarz. Schmuckstücke und Stiefelsohlen leuchten hingegen in strahlendem Weiß. Die dargestellte Person ist keinem Geschlecht eindeutig zuzuordnen – in Kleidung und Habitus vermischen sich maskuline und feminine Lesbarkeit. Die Körperhaltung mit ausgestreckten Daumen und übereinander geschlagenen Beinen signalisiert einerseits Stärke, Triumph, Selbstbewusstsein. Zugleich erkennen wir aber auch den Rückzug ins eigene Selbst einer in sich versunkenen Person – der Rumpf ist leicht nach vorne gebeugt, der Kopf neigt sich ebenfalls nach vorne, das Gesicht wird von der Hutkrempe verdeckt. Kraft und Energie, aber zugleich Verletztlichkeit – „Masc fatale“ schafft Irritation und lädt uns ein, neue Sichtweisen zu erkennen und zuzulassen.
The Collaps Machine, Sascha Holzmann, Krefeld
Der Publikumspreis erlaubt uns einen weiteren, allerdings ganz anderen Blick in die Welt der Digital Art. „The collapse machine“ zeigt uns die dystopische Vision einer Zivilisation, die sich selbst vernichtet. Digitale Technologie – die auch für die Kreation dieser Arbeit eingesetzt wurde – zeigt sich hier von ihrer maximal destruktiven Seite. Vor dem Hintergrund des äußerlich intakten Capitolsgebäudes sehen wir die Zerstörung der Freiheitsstatue, die, von Ketten hinabgezogen, in einer offensichtlich jubelnden Menschenmenge versinkt. Der Bildhorizont ist stark nach links geneigt, als würden die im Bild sichtbaren Gebäude schnurstracks in den Abgrund rutschen. Das Gesicht der Statue ist nur noch in Resten vorhanden – lediglich die Augen leuchten in einem kalten Rot: ein letztes Aufflammen in einer sonst vollständig grau und trist gewordenen Welt? Smartphones fliegen durch die Luft; eines zeigt das Logo der Plattform X. Was sollen wir von einer Gesellschaft halten, die ihre großartigen technologischen Errungenschaften nicht zu nutzen vermag, um eine bessere Welt für alle zu schaffen – sondern im Gegenteil auf dem Weg in den allgemeinen Untergang nur den Reichtum einiger Weniger in absurde Höhen treibt. In der Realität dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren. In der Vision von Sascha Holzmann ist der Kipppunkt bereits überschritten.
Kunstpreisträger-Werke 2024/25
Malerei, Bildhauerei, Fotografie/Digital-Art.
Luftballons, Malerei, Jens Pollak, Großpostwitz, Sachsen
Mit seinem Gemälde „Luftballons“ gewinnt Jens Pollak den KUNSTPREIS DEUTSCHLAND in der Kategorie Malerei. Seine Arbeit überzeugt durch Leichtigkeit und Tiefe zugleich: Luftballons als Symbol für das Loslassen, die Kindheit, die Vergänglichkeit – und die kleinen Momente des Glücks. Pollak gelingt eine Bildsprache, die still und zugleich voller Ausdruck ist. Farben und Komposition wirken vertraut und doch traumhaft entrückt. Die Jury würdigte insbesondere seine Fähigkeit, emotionale Resonanz aus einem einfachen Motiv heraus zu erzeugen – und ohne Pathos, aber mit großer Klarheit. „Ich hätte nicht gedacht, dass es direkt klappt,“ sagte der Künstler. Doch „Luftballons“ trifft den Nerv der Zeit: still, poetisch, aufrichtig – und genau darin liegt seine Kraft.
Greeting the rising star, Fotografie-Digital-Art, Katerina Belkina, Werder, Brandenburg
Katerina Belkina verschmilzt in „Greeting the Rising Star“ Realität und Inszenierung zu einer poetischen Bildwelt. Eine Figur steht im Zentrum einer surrealen Komposition – umgeben von Stille, Licht und Raum – als wäre sie Teil eines anderen Kosmos, auf der Schwelle zu etwas Neuem. Die Jury überzeugte Belkinas Fähigkeit, mit reduzierten Mitteln eine starke emotionale Wirkung zu erzielen. Ihre malerische, filmisch geprägte Bildsprache erzählt von Aufbruch, innerer Stärke und der Schönheit im Unperfekten. Denn unser Geist ist ein eigenes Universum. Er sammelt Fragmente des Alltags, formt daraus neue Welten – imaginäre Landschaften aus Emotionen, Träumen und Gedanken. In dieser zeitlosen Sphäre entstehen neue Perspektiven, ein Planet in der Hand – ein Wesen aus Hoffnung und Angst. Belkinas Werk ist ein stilles Plädoyer für Lebensfreude, das Überwinden von Grenzen und die Konzentration auf das Wesentliche: den Moment im Hier und Jetzt.
Im Fokus, Bildhauerei, Siegfried Luffler, Ilshofen, Baden-Württemberg
Siegfried Lufflers Arbeit „Im Fokus“ setzt sich kritisch mit der Macht moderner Suchmaschinen und ihrer Algorithmen auseinander. In einer Zeit, in der digitale Systeme uns bis ins Detail kennen, stellt das Werk die Frage nach Kontrolle, Transparenz und Privatsphäre. „Ich weiß von dir, wo du wohnst, was du liest, was du liebst, was du denkst.“ – Die Sprache ist direkt, fast übergriffig. Das Werk spricht in der Stimme der Maschine, die alles über uns zu wissen scheint.: Konsumverhalten, politische Einstellung, Vorlieben, soziales Umfeld, sogar unser Parfüm. Doch dann folgt die Umkehr: „Und Du weißt von mir.“ Ein Moment der Reflexion. Wer ist hier eigentlich Subjekt, wer Objekt? Wer beobachtet – und wer wird beobachtet? Luffler verbindet handwerkliche Präzision mit gesellschaftskritischer Aussagekraft. In der Kombination aus traditionellem Material (Eiche) und moderner Technik (Acryl) entsteht ein spannungsreicher Kontrast, der unsere digitale Realität in die physische Welt überträgt. Ein Werk, das provoziert, spiegelt – und nachdenklich macht.
